Wüstentour statt Ferienjob? Für viele Hundert Studenten aus ganz Europa keine Frage: Wenn das Wintersemester vorüber ist und die Frühlingssonne ins Freie lockt, versammeln sie sich in Paris zum Start einer ganz besonderen Erlebnisrallye – der 4L Trophy.
Doch wo bei einer Rallye sonst PS-starke Allradler das Bild bestimmen, wartet bei der 4L Trophy eine unüberschaubare Armada von Renault 4-Modellen aller Baujahre und Ausführungen auf den Startschuss ins Abenteuer. Denn „4L“, das steht in französischer Aussprache für „Quatrelle“, den Kosenamen des beliebten Heckklappen-Pioniers. Nur der „Vierer“ ist zugelassen für diesen Trip entlang der Sahelzone.
Überhaupt ist bei der 4L Trophy einiges anders als bei herkömmlichen Wüstenrennen. Teilnehmen dürfen nur Studenten zwischen 18 und 26 Jahren. Und – das ist der eigentliche Clou – sie müssen mindestens 50 Kilogramm an Hilfsgütern für Schulen in Marokko im Gepäck haben.



Bei der 2009er-Ausgabe kamen auf diese Weise mehr als 35 Tonnen Material zusammen – Bücher, Hefte, Stifte, Kreide, aber auch Bälle und Springseile. Diese Spenden ermöglichen rund 3.000 Kindern in Westafrika eine Grundschulausbildung. Wer möchte, kann auch Schuhe und Bekleidung, Karten- und Gesellschaftsspiele sowie Hygieneartikel vom Shampoo bis zur Zahnbürste einpacken. Die Verteilung in den kommenden Bildungsoasen übernimmt die Organisation „Enfants du Désert“, ein Partner der Veranstalter.
Die Idee zur staubigen Charity-Fahrt hatten ein paar Studenten der ESC School of Business im nordwestfranzösischen Rennes, allesamt Fans der Rallye Dakar – doch anders als das berühmte Vorbild wollten sie Bleifuß und Bildung vereinen. 1998 machten sich gerade mal drei „Quatrelles“ auf die 6000 Kilometer lange (Tor)Tour von Paris nach Marrakesch, heute stehen regelmäßig mehr als 700 Renault 4-Teams am Start.
Dass der unverwüstliche Renault 4 erste Wahl für den wüsten Einsatz ist, liegt eigentlich auf der Hand. Der kultige Kastenwagen – zwischen 1961 und 1992 mehr als acht Millionen Mal gebaut – hat zig Studentengenerationen befördert, ist dank seiner damals revolutionären Heckklappe extrem praktisch, dazu sparsam und robust. Und dass der Fronttriebler absolut wüstentauglich ist, haben Starts (und Podestplätze) bei der Rallye Dakar bewiesen.
Die Veranstalter der nicht ganz ernst gemeinten Wettfahrt unterstützen die Studenten übrigens auch bei der Finanzierung des (zuzüglich Autokaufs) rund 5.000 Euro teuren Abenteuers. So lassen sie speziell designte Kugelschreiber anfertigen, die die Teilnehmer günstig erwerben und dann an Kommilitonen, Freunde, Familie und sonstige „Sponsoren“ verkaufen können. Dazu geben sie hilfreiche Tipps zur Vermarktung der Wüstenfahrt durch Poster, Broschüren, Internetseiten und Werbung auf dem Fahrzeug. Neben Motorsport und Mitgefühl lernen die Studenten also ganz nebenbei auch noch etwas für ihre späteren Jobs in Marketing und Management.
(Stand 04/2010, Irrtümer vorbehalten)

