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Vettel in Belgien mit hohem Spa-Faktor

So langsam sollten sich die Kontrahenten von Red Bull-Renault eigentlich fragen, warum sie überhaupt noch an einem Qualifying teilnehmen: Offensichtlich geht die Pole Position ja sowieso an das österreichische Weltmeister-Team mit Sitz im englischen Milton Keynes und dessen französischen Motorenpartner. So auch in Spa-Francorchamps: Auf der zeitweise stark verregneten Ardennen-Achterbahn war es Titelverteidiger Sebastian Vettel, der für die europäische Erfolgstruppe die zwölfte Qualifying-Bestzeit im zwölften Grand Prix holte – die bereits neunte der Saison für den Deutschen und die 24. im 74. Formel 1-Rennen seiner unglaublichen Karriere …

Obwohl der Heppenheimer in der Fahrerwertung mit mehr als 80 Punkten souverän führte, machten einige Beobachter während der kurzen Sommerpause schon dunkle Wolken über seinen Titelambitionen aus: Drei Rennen war Red Bull-Renault nun in Folge sieglos geblieben – hatte die Konkurrenz aufgeschlossen?

Vettel ließen diese Diskussionen unberührt, auch wenn er kaum etwas mehr hasst als zweite Plätze so wie in Silverstone oder Ungarn. In Spa-Francorchamps jedoch, dem „Wohnzimmer“ seines großen Förderers und Freunds Michael Schumacher, schlug er zurück. Mit Macht. Das Qualifying diente ihm dabei nur als erster Beweis. Das Rennen als zweiter.

Beim Start musste sich der Weltmeister nur kurz hinten anstellen: Sein Landsmann Nico Rosberg war bombig aus den Blöcken gekommen und lag nach der ersten Runde vorn. Lange konnte der Wahl-Monegasse jedoch keine Führungsluft genießen: Im dritten Umlauf katapultierte sich Vettel während der Anfahrt zur „Les Combes“-Schikane aus dem Windschatten heraus an dem vor ihm liegenden Silberpfeil vorbei und zog eilig davon. Alles schien nach Plan zu laufen. Scheinbar. Denn tatsächlich kämpfte der Red Bull-Pilot mit seinen Vorderreifen, die erste Blasen warfen. Schon in Runde fünf kam der Titelverteidiger an die Box und holte sich seinen zweiten Satz Pneus ab, erneut die weiche Mischung.

Damit lag Rosberg wieder vorn, doch erneut nur kurz: Diesesmal war es Ferrari-Star Fernando Alonso, der sich mit Riesenschritten von hinten heranpirschte und in Runde sieben erfolgreich nach der Führung griff. Dahinter, auf Rang sieben, ließ Vettel bereits mit der schnellsten Rennrunde aufhorchen. Doch auch der Spanier hatte die Pneus seines roten Renners überstrapaziert. Als er in Umlauf Nummer neun zur Inspektion abbog, ging die erste Position an Lewis Hamilton – vor Rosberg und Vettel, der wenig später schon wieder Zweiter war. Der Nachmittag in Belgien versprach schon jetzt große Kurzweil. In Runde zehn brauchte auch der Brite neue Reifen. Der Titelverteidiger hatte „P1“ zurück – würden da nicht schon wieder hässliche Gebrauchsspuren seine vorderen Gummis zieren …

Dann ein Paukenschlag: Hamilton hatte sich beim Überholen von Kamui Kobayashi verschätzt, vor Les Combes kommt es zur Kollision – und der Weltmeister von 2008 konnte nicht nur dieses Rennen, sondern gleich auch seine Titelambitionen begraben. Die hierdurch ausgelöste Gelblicht-Phase nutzte Vettel wiederum zum Boxenstopp. Er reihte sich hinter Alonso und seinem Teamkollegen Mark Webber – auf der härteren Laufflächenmischung von Pirelli unterwegs – wieder ein.

Restart in Runde 17: Als erstes musste der Australier dran glauben, dann war auch der stolze Asturier fällig – Vettel lag in Spa erneut vorn und baute seinen Vorsprung zügig aus. Das Reifen-Roulette ging weiter. Als erster musste Alonso an die Box, dann der Deutsche. Jetzt ließ Vettel pflichtgemäß die harte Mischung aufziehen, 14 Runden waren noch zu absolvieren. Damit konnte zwar Jenson Button den Platz an der Sonne übernehmen, doch auch er erhielt ihn nur geborgt: in Runde 32 musste sich auch der Brite dem Tabellenführer geschlagen geben – Vettel war endgültig auf dem Weg zum Sieg, dem bereits siebten in diesem Jahr.

Doch hinter dem Red Bull-Renault des Hessen wurde es noch einmal spannend. Denn Alonso, der Zweitplatzierte, konnte die Zeiten der Spitze nicht mehr mitgehen. Als erstes stürmt Mark Webber heran und kämpft sich in Runde 35 auf Rang zwei vor – Doppelführung für die österreichisch-britisch-französische Kooperation! Dann musste sich der Torrero, der gemeinsam mit Renault seine beiden WM-Titel errungen hat, auch noch Jenson Button geschlagen geben: nur Platz vier für Alonso.

Sebastian Vettel konnte im Ziel lachen: Ausgerechnet in Belgien, also auf jener Piste, auf der sich sein Team gar nicht so viel ausgerechnet hatte, ließ er sich erneut 25 Punkte eintragen. Damit liegt er in der WM-Tabelle jetzt 92 Zähler vor Webber und 102 Punkte vor dem ersten Fahrer eines Monoposto, der nicht von einem der 2,4 Liter großen V8 aus dem Motoren-Workshop von Renault angetrieben wurde.

Und die übrigen Partner von Renault? Bruno Senna – Neffe des legendären Ayrton Senna – überraschte bei seinem Debüt im Renault R31 durch den siebten Rang im Qualifying, musste sich im Rennen jedoch mit Platz 13 begnügen. Vitaly Petrov im zweiten Auto des Teams Lotus-Renault nahm den Grand Prix von der zehnten Startposition auf und ließ sich als Neunter abwinken. Jarno Trulli und Heikki Kovalainen steuerten ihre Lotus T128-Renault auf die Plätze 14 und 15 – damit lagen sie unter den drei neuen Formel 1-Teams einmal mehr an der Spitze und schaffen so langsam den Anschluss an die etablierten Rennställe.

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