Sport

Brillantes Ende einer großartigen Saison

Für Sebastian Vettel spielen Erfolgsstatistiken durchaus eine große Rolle. Denn der Red Bull-Renault Pilot aus Heppenheim ist auch in der Geschichte der Formel 1 bemerkenswert bewandert – was einmal mehr den ganzheitlichen Anspruch unterstreicht, mit dem sich der 24-Jährige seinem Sport verschrieben hat. Jüngster Welt- und Doppelweltmeister aller Zeiten ist er bereits. Doch Vettel jagte beim Saisonfinale in Sao Paulo noch einen Rekord: den der meisten Pole Positions in einem Jahr. Den bisherigen Bestwert von Nigel Mansell – 14 Bestzeiten im Abschlusstraining – hatte er bereits in Abu Dhabi eingestellt. In Brasilien stieß der junge Deutsche den schnauzbärtigen Briten in dieser Disziplin endgültig vom Thron: Mit geradezu aufreizender Lässigkeit schüttelte er im dritten Qualifying-Segment einmal mehr eine Traumrunde aus dem Ärmel, die seine Kontrahenten allenfalls mit einem Kopfschütteln kommentieren konnten. 2011, soviel steht fest, war gegen Sebastian Vettel in der Formel 1 unter normalen Bedingungen kein Kraut gewachsen.


Ein Eindruck, der sich auch nach dem Start des Grand Prix von Brasilien sogleich manifestierte: In überlegener Manier katapultierte sich der Hesse noch vor der ersten Kurve – dem „Senna-S“ – in Führung und baute den Vorsprung auf seinen Teamkollegen Mark Webber in Windeseile aus. Die Weichen für eine weitere dominante Vorstellung schienen gestellt. Doch wie bereits vor 14 Tagen in Abu Dhabi durchkreuzte erneut ein technisches Problem die Pläne des sympathischen Blondschopfs: Das Getriebe seines Red Bull-Renault sorgte für Bluthochdruck bei den Technikern seines Teams. Um die Zielankunft nicht zu gefährden, musste Vettel Fahrt herausnehmen – und lieferte damit die Steilvorlage für Webber, der seinen Rückstand sukzessive verkürzen konnte.


In der 30. von 71 Runden war es soweit: Fast schon demonstrativ ging Sebastian am Ende der Start-Ziel-Geraden vom Gas und ließ den zweiten Red Bull-Renault passieren. Jetzt lag Webber auf Siegkurs, während Vettel darum kämpfen musste, seinen Vorsprung auf den Ferrari von Fernando Alonso zu verteidigen. Das gelang ihm immer besser, gekonnt umfuhr er das Problem seines Rennwagens – und nahm die Herausforderung mit Humor: „Ich komme mir vor wie Ayrton Senna 1991“, funkte er seiner Boxencrew zu. Die verstand, was ihr Nummer-1-Pilot meinte: Seinerzeit war es dem brasilianischen Ausnahmekönner gelungen, seinen Heim-Grand Prix mit nur noch einem einzigen funktionierenden Vorwärtsgang zu gewinnen.


Doch auch Vettel zauberte und ließ seinen Verfolgern – inzwischen hatte McLaren-Mann Jenson Button den roten Renner des spanischen Doppelweltmeisters kassiert – keine echte Chance. Mit dieser fahrerischen Glanztat sicherte er seinem Team den dritten Doppelsieg der Saison, während sich Mark Webber als Erster über einen versöhnlichen Ausklang des für ihn nicht immer leichten Jahres 2011 freuen konnte. In der Fahrer-Abschlusstabelle rückte der Australier mit einem Punkt Vorsprung vor Alonso noch auf Rang drei vor. Und Red Bull Racing und Renault durften den zwölften Grand Prix-Erfolg im 19. Saisonrennen bejubeln.


An die starke Form der ersten Jahreshälfte konnte Lotus Renault GP in Brasilien anknüpfen: Vor eigenem Publikum stellte Bruno Senna seinen Renault R31 auf den neunten Startplatz – eine tolle Vorstellung des Formel 1-Neulings. Während des Rennens verwickelte sich der Brasilianer jedoch in eine Kollision mit Michael Schumacher, für die er eine Boxen-Durchfahrtsstrafe erhielt und bis ans Ende des Feldes zurückfiel. Er beendete den Grand Prix auf Rang 17, während sich sein Teamkollege Vitaly Petrov von Rang 15 noch bis in die Punkteränge vorkämpfte. Dafür wurde er mit einem WM-Punkt belohnt. Lotus Renault GP konnte die fünfte Position in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft verteidigen.


Als Zehnte der Teamwertung hat auch das Team Lotus, der dritte Partner-Rennstall von Renault, sein Saisonziel erreicht. In Sao Paulo erwischte Heikki Kovalainen einmal mehr einen Raketenstart, der ihn bis weit ins Mittelfeld katapultieren sollte. Dort lieferte er sich ergreifende Duelle mit den Williams von Rubens Barrichello und Pastor Maldonado sowie dem Renault von Senna. Der Finne wurde am Ende 16., sein Teamkollege Jarno Trulli belegte Platz 18.


Damit kann Renault Sport F1 eine mehr als positive Bilanz ziehen: Zwölf Grand Prix-Siege, 18 Pole Positions und 723 WM-Punkte hat der Motorenspezialist 2011 errungen – von den beiden Weltmeistertiteln für Red Bull Racing und Sebastian Vettel ganz abgesehen. „Diese Erfolge unterstreichen die Effizienz der strukturellen Veränderungen, die wir im vergangenen Winter vorgenommen haben“, betonte Rémi Taffin, der Projektleiter von Renault Sport F1. „Nun stehen uns weitere, neue Herausforderungen bevor, so nimmt zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Williams Fahrt auf. Auch im kommenden Jahr wollen wir wieder eine fehlerfreie Vorstellung bieten – mit nochmals zuverlässigeren und leistungsfähigeren Motoren.“


(Stand 11/2011, Irrtümer vorbehalten)

 

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