Gordini – dieser Name klingt Freunden historischer Automobile wie Musik in den Ohren. So genießen zum Beispiel die von dem italienischen Ingenieur Amédée Gordini veredelten Modelle Renault 8 und Renault 12 längst Kultstatus. In ihrer typischen blauen Lackierung mit dem markanten weißen Doppelstreifen verbanden diese sportlichen Spitzenmodelle die überragenden Fahrleistungen waschechter Sportwagen mit der hohen Alltagstauglichkeit der bewährten Limousinen, auf denen sie basierten. Besonders im Rallye-Sport sorgten beide Gordini-Modelle für viel Furore. Sie dienten außerdem als Basis für Markenpokal-Rennserien, in denen sich unter anderem die späteren Formel 1-Piloten Jean-Pierre Jarier und Jean-Pierre Jabouille sowie Rallye-Ass Jean Ragnotti erste Lorbeeren verdienten.
Amédée Gordini wurde am 23. Juni 1899 im italienischen Dorf Bassano in der Nähe von Bologna geboren. Im Alter von acht Jahren infizierte er sich beim Besuch eines Autorennens mit dem Motorsport-Bazillus, der ihn in der Folge nie mehr loslassen sollte. Nachdem er bereits als Elfjähriger seine Zeit am liebsten in Werkstätten verbrachte, begann er kurz darauf eine Ausbildung als Auto-Mechaniker. Während dieser Zeit lernte er Eduardo Weber kennen, der sich später als Produzent von Vergasern einen Namen machte. Im Alter von 14 Jahren wechselte Gordini zum Motorenhersteller Isotta-Fraschini, wo er unter anderem mit Alfieri Maserati zusammenarbeitete. Bereits als 19-Jähriger entwickelte und baute Gordini aus Isotta-Fraschini-Teilen sein erstes Auto.
Nach zwei weiteren Karrierestationen gründete Gordini 1925 seine eigene Firma, die sich auf das Tunen von Motoren spezialisierte. Dabei machte er seinem Spitznamen „der Hexer“ alle Ehre: Mit scheinbar magischen Fähigkeiten gesegnet, verhalf der Ingenieur den unterschiedlichsten Triebwerken zu ungeahnten Mehrleistungen. Die so optimierten Aggregate sammelten motorsportliche Erfolge in Serie. Unter anderem heimsten Gordini-Triebwerke 1938 und 1939 bei den berühmten „24 Stunden von Le Mans“ jeweils den damals extrem hoch angesehenen Sonderpreis für die effizienteste Motorleistung ein.
Nach dem zweiten Weltkrieg beschränkte sich Gordini nicht mehr nur auf das Optimieren von Motoren, sondern konstruierte komplette Rennwagen. Von 1952 bis 1956 nahm er sogar mit einem eigenen Team an der Formel 1-Weltmeisterschaft teil. Nach dem Ende dieses Projekts erhielt der geniale Konstrukteur von Renault den Auftrag, auf Basis der Dauphine ein siegfähiges Rallye-Auto zu entwickeln – der Beginn einer ebenso langen wie erfolgreichen Partnerschaft. 1969 gliederte Renault die Gordini-Tuningschmiede vollständig in das Unternehmen ein. In den folgenden Jahren zeichnete der Italiener nicht nur für die Veredelung verschiedener Serienmodelle – wie die angesprochenen Renault 8 und Renault 12 – verantwortlich, sondern kümmerte sich in leitenden Positionen auch um die Motorsport-Aktivitäten. 1975 wurde aus der „Usine Amédée Gordini“ in Viry-Châtillon offiziell die Abteilung Renault Sport. Gordini und seine Ingenieure brachten ihren umfangreichen Erfahrungsschatz in der Folge unter anderem beim Formel 1-Projekt der Franzosen sowie bei den Auftritten bei den „24 Stunden von Le Mans“ mit ein, bei denen Renault 1978 mit der Alpine 442 triumphierte.
Amédée Gordini starb am 25. Mai 1979, wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag. Doch aufgrund seines Lebenswerks und seiner engen Verbindung zu der motorsportlichen Geschichte des „Créateur d’Automobiles“ lebt sein Geist noch heute weiter – in den Erfolgen des Renault F1-Teams in der Formel 1.


