Nach dem Gewinn der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft im Rallyesport und zahlreichen Erfolgen in der Formel 2 beschloss Renault 1973 den Einstieg in den Grand Prix-Sport. 1977 war es dann soweit: Jean-Pierre Jabouille startete beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone im Renault RS01. Der brandneue Bolide schied zwar früh aus, sorgte aber für Aufregung in der Szene: Als erster Hersteller suchte Renault mit einem Turbo-Motor den Erfolg in der Königsklasse des Motorsports.
Zu Anfang hatte Renault mit beträchtlichen technischen Problemen zu kämpfen, erinnert sich Jean-Pierre Jabouille: „Die Arbeit war sehr komplex und in der kurzen Zeit kaum zu schaffen. Wir mussten ja nicht nur die neue Technologie entwickeln, sondern den Rennmotor und auch das Chassis fahrbar machen." Dies gelang ihnen mit dem RS01 nur zum Teil, doch das Nachfolgermodell RS10 brachte der „Equipe Jaune" den Durchbruch - und das ausgerechnet auf heimischem Boden. Beim Großen Preis von Frankreich 1979 startete Jabouille von der Pole-Position des Trainingsschnellsten neben seinem Teamkollegen René Arnoux. Nach einem packenden Rennen gewann der Franzose - Teamkollege Arnoux rundete den Erfolg mit Rang drei ab.
In den Folgejahren entwickelte sich Renault immer mehr zum Spitzenteam, verbuchte von 1980 bis 1983 insgesamt 14 Grand Prix-Siege und verpasste 1983 den Turbo-Aggregaten aus und verhalf diesen Teams zu fünf weiteren Rennsiegen. Als die Turbotechnologie zum Jahresende 1986 in der Formel 1 verboten wurde, zog sich Renault vorerst aus der Königsklasse zurück.
Die Rückkehr folgte nach nur zwei Jahren Abstinenz zum Saisonbeginn 1989 - als Motorenhersteller. Renault setzte auch beim Comeback wieder auf eine bahnbrechende technische Neuheit: Eine pneumatische Ventilsteuerung ermöglichte vorher ungeahnte Drehzahlen. In den Jahren 1989 bis 1991 entwickelte sich Renault mit elf Grand Prix-Erfolgen schnell zum Seriensieger.
Der wahre Durchbruch gelang schließlich 1992 in der vierten Saison mit dem Gewinn der Fahrer- und Konstrukteurs-Titel durch Nigel Mansell und Williams-Renault. Renault sammelte bis 1997 insgesamt sechs Konstrukteurstitel und verhalf fünf Formel 1-Piloten zu WM-Ehren: Nigel Mansell (1992), Alain Prost (1993), Michael Schumacher (1995), Damon Hill (1996) und Jacques Villeneuve (1997).
Nachdem Renault als Motorenhersteller alles gewonnen hatte, kehrte die Marke dem Sport zum Jahresende 1997 zum zweiten Mal den Rücken. Aber nur, um wenig später die Herausforderung erneut mit einem eigenem Chassis anzunehmen. So kehrte Renault 2001 - vorerst als Motorenlieferant des Benetton-Rennstalls - zurück, um das Team zur Saison 2002 komplett zu übernehmen.
Als fleißiger Punktsammler verkürzte die Truppe um Flavio Briatore in den ersten drei Jahren den Abstand zur Spitzengruppe stetig. Die logische Konsequenz folgte beim Großen Preis von Ungarn 2003, als die Werks-Equipe plötzlich ganz vorne stand: Von der Pole gestartet, zeigte der Spanier Fernando Alonso der Konkurrenz nur seinen Heckflügel und gewann das Rennen in Budapest auf eindrucksvolle Art und Weise. Der 22-jährige krönte sich dabei zum jüngsten Grand Prix-Sieger der Formel 1-Geschichte.
Der Aufwärtstrend bestätigte sich im folgenden Jahr mit konstanten Podiumsplatzierungen und Rang drei in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Saisonhighlight 2004 war zweifelsohne Jarno Trullis Sieg auf dem Stadtkurs von Monaco - der prestigeträchtigsten Rennstrecke der Welt. Seit dem Wiedereinstieg in die Formel 1 hatte das Team damit alle selbst gesteckten Ziele zuverlässig erreicht. Mit den Erfolgen stiegen auch die Ansprüche: Der neue Renault R25, entwickelt für die Saison 2005, sollte fortan um den WM-Titel kämpfen können.
Giancarlo Fisichella sicherte sich beim Auftakt in Australien die Pole-Position und gewann das erste Rennen der Saison. Teamkollege Fernando Alonso nahm dem Italiener schon beim zweiten Lauf in Sepang das oberste Treppchen ab und steuerte seinen RS25 als Erster über die Ziellinie. Anschließend entschied Alonso auch das dritte Rennen der Saison für sich und bescherte seinem Arbeitgeber Renault den 100. Grand Prix-Sieg seit dem Debüt 1977.
Dass der französische Werksrennstall sich nicht auf Siegen ausruht - auch nicht auf den 100. - bewies Fernando Alonso bereits drei Wochen später beim Großen Preis von San Marino. In Imola zeigte er seinen Gegnern erneut nur das Heck seines Renault und führte die Erfolgsgeschichte des französischen Automobilherstellers fort - in Richtung Grand Prix-Sieg Nr. 200.


