„Eine Herausforderung für jeden Teilnehmer, ein Traum für jeden Daheimgebliebenen“ – so beschrieb der Franzose Thierry Sabine jenes Abenteuer, mit dem er 1979 erstmals wagemutige Wüstenfüchse begeisterte. Auf einer Tour durch Afrika war in dem abenteuerlustigen Motorradfahrer die Idee gereift, aus diesem einzigartigen Erlebnis einen ebensolchen Wettbewerb abzuleiten: die Rallye Paris-Dakar. Und ein ganz besonderer Renault spielte beim Debüt vor 30 Jahren eine sensationelle Rolle.
Es war eine ziemlich bunte Mischung, die sich am zweiten Weihnachtstag 1978 / kurz vor Neujahr 1979 auf dem berühmten Place du Trocadéro in Paris auf den Weg ins Unbekannte machte: 80 Pkw, 90 Motorräder und 12 Lkw, besetzt mit verwegen anmutenden Piloten. Nicht alle dieser Vehikel schienen für eine Wettfahrt über 10.000 Kilometer durch Gebirge, Wüste und Savanne geeignet zu sein. So starteten zum Beispiel die Brüder Claude und Bernard Marreau in einem Renault 4 Sinpar, also der Allradversion des weltweiten Bestsellers – sicher kein Gegner für bewährte Gelände-Größen aus England, Deutschland und Japan …
Doch „unmöglich ist nicht französisch“, wie der Volksmund sagt: Mit 130 PS war der leichtgewichtige Renault 4 mehr als ausreichend motorisiert, die große Bodenfreiheit verkraftete auch tiefste Spurrillen. Zusammen mit der sprichwörtlichen Robustheit des Fünftürers und der kompromisslosen Fahrweise von Claude Marreau rollte das Exoten-Team die Rallye Dakar förmlich auf: Immer auf Tuchfühlung mit der Spitzengruppe, gewann die Startnummer 131 sogar die Etappe von Agadez nach Niamey, quer durch den geheimnisvollen Niger. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer schieden in der Wüste aus, doch der „R4“ hielt klaglos durch. Im Ziel am legendären Lac Rosé nahe der senegalesischen Hauptstadt Dakar hatten die Marreaus und ihr Renault 4 mit Rang zwei sensationell das Podest erreicht.
Unmöglich? Filmaufnahmen von der „Dakar“ erklären zumindest einen Teil dieses Erfolgs. Zwar gibt es von dieser Triumphfahrt vor 30 Jahren keine bewegten Bilder – doch wer die Worte „R4 Dakar 1980“ in die Suchfunktion eines Internet-Videoportals eingibt, darf noch einmal mit den Marreaus durch die Sahara toben. Beeindruckend, wie leichtfüßig der Renault 4 an steckengebliebenen Konkurrenten – darunter auch „ausgewachsene“ Geländewagen – vorbeifliegt. Berauschend, wie er fast über den Sand surft, ohrenbetäubend, wie Bernard seinen Bruder Claude im Cockpit mit einem Stakkato an „Regarde!“- und „Attention!“-Rufen halbwegs im Zaum hält, und begeisternd, wie der infernalisch kreischende Vierzylinder den Wüstenfloh über Stock und Stein treibt.
Übrigens: Der Spitzenplatz von Renault und den Marreau-Brüdern blieb kein Einzelfall. 1980 erreichte ihr Renault 4 trotz immens angewachsener Konkurrenz Platz drei, zwei Jahre darauf schafften Claude und Bernard am Steuer eines Renault 20 Turbo gar den Gesamtsieg – und schrieben so mit Renault einige Kapitel in der Historie der legendären „Dakar“.
(Stand 01/2009, Irrtümer vorbehalten)



