Er erschien im Schatten der Schnellen: 1976 sorgte Renault mit heißen Neuerscheinungen für mächtig Wind. Erstmalig lief der Kleinwagenrenner R5 in der gepfefferten Alpine-Variante vom Band, außerdem schöpfte die Renault Alpine A310 ab diesem Modelljahr ihre Kraft erstmals aus sechs Zylindern.
Mit diesen extrovertierten Sportlern wollte sich ein anderer Newcomer gar nicht messen – obwohl er die vielleicht wichtigste Modellneuheit des Jahres darstellte: Im Mai 1976 erblickte der Renault 14 zum ersten Mal das Licht des Stadtverkehrs. Er bedeutete für Renault den Einstieg in das noch junge, aber immens boomende Kompaktwagensegment.
Einen unmittelbaren Vorgänger besaß der Renault 14 nicht; konzeptionell stand allenfalls der geräumige R6 Pate. Und „Raum“, das war auch das Stichwort für den Neuling. Er bewies, wie viel Platz auf wenig Fläche machbar ist.
Beispiel Motorraum: Zum ersten Mal in einem Renault wurde der Motor quer zur Fahrtrichtung eingebaut, was im Innern für eine Beinfreiheit sorgte, die in der Kompaktklasse neue Maßstäbe setzte. Zudem war das Triebwerk nahezu liegend installiert. Dadurch fiel die Antriebseinheit so kompakt aus, dass über dem Motor sogar noch das Reserverad Platz fand. Folge: ein aerodynamisch flacher Vorderwagen und noch mehr Volumen im Gepäckraum, der über eine große Heckklappe auch sehr komfortabel zu beladen war.
Beispiel Innenraum: „Eine für diese Wagenklasse großzügige Innenbreite sowie die auch für große Personen ausreichende Knie- und Kopffreiheit im Fond vermitteln auf allen Plätzen ein gutes Raumgefühl und machen den viertürigen R14 zu einem vollwertigen Familienauto“, urteilte „Auto, Motor und Sport“ im Fahrbericht.
Im Maschinenraum werkelte ein 1,2 Liter großer, moderner Leichtmetallmotor. Schon die anfänglichen 57 PS reichten aus, um den beim Debüt 840 Kilogramm leichten Fünftürer agil zu bewegen. Auch das Fahrwerk zeigte sich auf der Höhe der Zeit und überzeugte durch angenehmen Reisekomfort. Die Summe dieser Eigenschaften prägte den Charakter des Renault 14 – pragmatisch, praktisch, unkapriziös.
Die Geister schieden sich eher an der Karosserie, die im Gegensatz zum wichtigsten Wettbewerber nicht kantig ausfiel, sondern harmonische Rundungen zeigte – und dennoch absolut schnörkellos wirkte. Diese Formgebung sorgte zwar für richtig Raum in Innern, hatte jedoch auch eine Kehrseite: Viele Kunden nahmen das Auto als bauchig und behäbig war – was den durchaus dynamischen Fahrleistungen nicht gerecht wurde.
Vor diesem Hintergrund agierten die Werbestrategen etwas unglücklich. In der Absicht, die organische Formgebung zu betonen, verglichen Sie die Silhouette des Renault 14 mit einer liegenden Birne. Leider lieferten sie damit die Steilvorlage für manchen Spott, denn „Birne“ als Bezeichnung für ein Auto bedeutet im Französischen soviel wie „Gurke“ im Deutschen – kein gutes Verkaufsargument …
Fakt ist jedoch: Renault startete mit dem Renault 14 erfolgreich in die bis heute wichtigste Fahrzeugklasse. Und die Grundidee einer kompakten Antriebseinheit und eines maximal nutzbaren Innenraums gilt im Kompaktsegment unverändert als das entscheidende Qualitätsmerkmal. Nicht nur deshalb traf der Slogan, den Renault auf die Verkaufsbroschüren druckte, auch viel besser zu als der Birnen-Vergleich: Der Renault 14, so hieß es dort, war „Das Raum-Fahrzeug in der Kompaktklasse“.
(Stand 09/2011, Irrtümer vorbehalten)



