4x4 sind nicht etwa 16 – diese Kombination steht vielmehr für allradgetriebene Pkw wie den neuen Renault Koleos mit seinem innovativen „All Mode 4x4 i“-Allradantrieb. Und sie steht für seine Vorgänger, die außer ihren angetrieben Achsen fast nichts gemeinsam hatten – außer den typischen Merkmalen eines Renault: Sie alle waren einzigartig, intelligent und vielseitig.
Bereits 1923 rollte der erste Renault mit vier angetriebenen Rädern aus dem Werk in Billancourt – und doch kein Allradler im genauen Sinne des Wortes. Denn bei der Spezialanfertigung auf Basis eines Renault 10 CV handelte es sich um einen Dreiachser mit Zwillingsreifen rundum und zwei angetriebenen Hinterachsen. Aufgabe des Gefährts: Unternehmensgründer Louis Renault wollte noch vor dem großen Konkurrenten Citroën einen planmäßigen Linienverkehr durch die Sahara anbieten. So kühn der vom Entdecker- und Abenteuergeist der 20er Jahre befeuerte Plan auch wirkte – 1926 wurde er Wirklichkeit.
Allradler Nummer zwei sollte bodenständigere Bedürfnisse abdecken: Der vielseitige Lieferwagen Renault Colorale – ein legendäres Arbeitspferd der Nachkriegszeit – erschien 1950 in einer 4x4-Version. Mit einer um volle 30 Zentimeter erhöhten Bodenfreiheit bewältigte die Colorale „Tous Terrains“ selbst die löchrigsten Feldwege.
Nach der Arbeit folgte das Vergnügen – bei Renault in Form des Renault 4 „Sinpar 4x4“, der sogar als Pick-up erhältlich war. Obwohl der „Quatrel“ (der Vierer) auch als Fronttriebler tadellos vorankam, bot Renault ab 1964 eine Allradversion an, die mehr als zehn Jahre produziert wurde. Mit der Kombination eines variablen Kleinwagens und Allradantrieb eröffnete Renault ein eigenes Segment, das andere Hersteller erst in den 1980er Jahren entdeckten.
Im allgemeinen Allrad-Rausch dieser Zeit stellte Renault 1983 sein erstes Mittelklasse-Fahrzeug mit 4x4-Technik vor: den Renault 18 Combi 4x4. Wie seine Vorgänger verfügte er über einen zuschaltbaren Allradantrieb, den der Fahrer nur bei Bedarf aktivieren konnte. Auch der Nachfolger Renault 21 erschien ab 1987 in Allradversionen – von denen der 119 kW (162 PS) starke Renault 21 Turbo Allrad schnell Kultstatus erreichte. Besonderheit: In diesem Modell setzte Renault erstmals die Visco-Kupplung ein. Dieses intelligente System verteilt die Antriebskraft je nach Griffigkeit der Straße variabel zwischen Vorder- und Hinterachse – und ist dabei leichter und sparsamer als ein permanenter Allradantrieb.
1988 schuf Renault erneut eine Synthese, die es so in Europa zuvor nicht gab: Der Espace Quadra kombinierte das revolutionäre Raumkonzept der 1984 erschienenen Großraumlimousine mit den Traktionsvorteilen der 4x4-Technik. Wie gut diese mit Oberklasse-Limousinen harmonierte, bewiesen ab 1992 das 123 kW (167 PS) starke Oberklassemodell Safrane V6i und das 1993 präsentierte, 193 kW (263 PS) starke Prestigemodell Safrane Baccara Biturbo – mit 250 km/h Höchstgeschwindigkeit bis heute der schnellste Serien-Pkw von Renault.
War bei diesen Modellen die Antriebstechnologie allenfalls am Typenschild zu erkennen, zeigte der Renault Scénic RX4 ab 2000 mit seinem rustikalen Offroad-Look erneut einen neuen Trend auf: Die größere Bodenfreiheit, seitliche Schutzleisten und das Ersatzrad am Heck halfen nicht nur auf losem Untergrund, sie avancierten bald zu Merkmalen einer neuen Generation von Spaßmobilen.
Einen anderen Weg nahmen die Allradversionen des Renault Kangoo: Kangoo 4x4 und Kangoo Rapid 4x4 präsentierten sich als echte Multitalente für Freizeit und Handwerk abseits fester Pfade. Ab 2001 verfügten beide Modelle über einen permanenten Allradantrieb mit adaptiver Hydraulikkupplung, den der Renault Allianzpartner Nissan beisteuerte. Drehen die Vorderräder auf losem Untergrund durch, dann verteilt diese automatisch das Antriebsmoment bedarfsgerecht zwischen Vorder- und Hinterrädern.
Was im Alltagsverkehr Vorteile bei Haftung und Beschleunigung bietet, findet unweigerlich auch seinen Weg auf Rallyepiste und Rennstrecke. Bei der gnadenlosen Wüsten-Hatz „Paris – Dakar“ erreichte 1979 ein Allrad-Renault 4 Platz zwei im Gesamtklassement. Durch diesen Sensationserfolg beflügelt, brachten die Brüder Bernard und Claude Marreau auch in den Folgejahren einzigartige 4x4-Modelle von Renault an den Start – 1982 etwa einen Renault 20, der unter seiner seriennahen Karosserie die Technik des Renault 18 Turbo mit permanentem Allradantrieb verknüpfte. Ein Erfolgsrezept: Das Einzelstück holte den Gesamtsieg der „Dakar“.
Auch auf der Rundstrecke feierte Renault Siege: 1988 gewann eine 430 PS starke Rennversion des Renault 21 Turbo Allrad souverän die französische „Superproduction“-Tourenwagenserie. Und bei den spektakulären Eisrennen der „Trophée Andros“ driften bis heute 4x4-Boliden auf Renault Basis über die spiegelglatten Pisten.
(Stand 10/2008, Irrtümer vorbehalten)


