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Der Duft des Abenteuers

Ende der 60er Jahre revolutionierte Renault auf ganz eigene Weise den Markt für Freizeitmobile: Auch wenn die Zeit der Blumenkinder eigentlich vorbei war, bestand immer noch eine große Nachfrage nach Autos, die von der Norm abwichen und mehr als jedes andere Bedürfnis den Freiheitsdrang bedienten.

 

Renault erfüllte diesen Wunsch 1968 zunächst mit dem R4 Plein Air, einem Renault 4 ohne Dach oder Türen, dafür aber mit eingeschweißten Versteifungen in den Türausschnitten. Ein radikales Konzept, das in Deutschland auch als R4 Plaisir verkauft wurde. Doch nur zwei Jahre später übertraf eine noch gewagtere Konstruktion den „Alt-68er": der Renault Rodéo 4.

Auf der Basis des R4 Fourgonnette bauten die Ateliers de Construction du Livrados (ACL) im Auftrag von Renault ein Fahrzeug, das mit dem Begriff „Cabrio" nur unzureichend beschrieben wäre. Die aus Gründen der Steifigkeit und einfachen Herstellung sehr kantig gehaltene Kunststoffkarosserie deckte gerade einmal die Räder und den Motor ab. Die bis zu vier Passagiere saßen in der Basisversion nahezu rundum im Freien. Die zur selben Zeit populären Dune Buggies wirkten da schon fast wie geschlossene Autos ...

Der Renault 4 Rodéo ließ sich in so ziemlich jede Frischluft-Variante umbauen, nach der es dem sonnenhungrigen Volk der 70er Jahre gelüstete: In der Version „Evasion" bestand der ganze Aufbau gerade mal aus Motorhaube, Kotflügeln und eher symbolisch gemeinten Türen, die überdies auch noch ohne Weiteres auszuhängen waren. Die Windschutzscheibe wurde nach vorn umgeklappt, um den lauen Fahrtwind in vollen Zügen genießen zu können. Als „Chantier" besaß der Rodéo 4 - neben einer aufrechten Frontscheibe - immerhin ein Verdeck für die Vordersitze. Das längere Stoffdach des „Coursiére" hielt sogar die Ladefläche trocken - so lange der Regen direkt von oben fiel, denn Seitenscheiben besaß die filigrane Strebenkonstruktion nicht. Der „Artisane" hingegen verfügte über Steckscheiben vorn und eine geschlossene Abdeckung der Ladefläche. Und als Ganzjahresmodell „Quatre-Saisons" hielt geradezu der Luxus Einzug: Ein komplettes Verdeck mit Plastikscheiben für Vorn- und Hintensitzende zeichnete die „Topversion" aus.

 

Damit konnten sich „Rodéo-Reiter" an Côte d'Azur und Atlantikküste nach Belieben den Wind um die Nase wehen lassen. Doch nicht nur Freigeister cruisten den Strand entlang. Die robuste Bauweise und die langen Federwege des Rodéo wusste auch die Gendarmerie zu schätzen. Und Landwirte entdeckten den von vornherein auch als Nutzfahrzeug konzipierten Rodéo für Feld, Wald und Wiese - erst recht in der kurzzeitig gefertigten 4x4-Version. Schlamm und andere Arbeitsspuren ließen sich mit einem über das Kunststoffauto gehaltenen Wasserschlauch in einem einfachen Arbeitsgang entfernen.

 

Auf Basis des R6 entstand noch 1970 der Rodéo 6, dessen Karosserie ebenfalls aus Kunststoff gefertigt war. Parkplatzrempler, wie sie gerade in südlicheren Gefilden durchaus vorkommen, blieben so ohne Folgen. Außerdem war die Karosserie nicht lackiert, sondern durchgefärbt - Kratzer blieben also schier unsichtbar. Apropos Farbe: Es versteht sich, dass die kompromisslosen Sonnenmobile Rodéo 4 und Rodéo 6 vorzugsweise in Orange, Gelb, Hellgrün oder anderen Sommerfarben ausgeliefert wurden. Und was die Extrem-Cabrios an Ausstattung nicht besaßen, machten sie durch immaterielle Werte wie Freiheit und Abenteuerlust locker wett.

 

Nachdem der „große Bruder" an die Seite des Rodéo 4 getreten war, dichteten die Prospekttexter: „Zwei echte Naturburschen. Hart im Nehmen, anspruchslos in der Pflege, bescheiden im Verbrauch. Und immer bereit, alles zu geben."

 

Das taten sie bis 1981, als allein der Renault Rodéo 4 mehr als 80.000 Käufer gefunden hatte. Die Sonne ging bei Renault aber auch weiterhin nicht unter, denn bald folgten Renault Spider, Renault 16 Cabrio, Renault Mégane Cabrio, ... - aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.