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Schön mit 50: Die Renault Floridge feiert Goldenes Jubiläum

Eine lang gestreckte Motorhaube, die elegant gewölbte Panoramascheibe, angedeutete Heckflossen: So ein – um es im Vokabular der 50er Jahre zu sagen – „schnittiger“ Zweitürer konnte doch nur aus den USA kommen. Oder?


Zugegeben: Eine waschechte Französin war die Renault Floride nicht. Die Idee zu diesem schlanken Sportwagen wurde bei einem Treffen des damaligen Renault Chefs Pierre Dreyfus mit US-Händlern geboren, und die flotte Außenhaut stammte vom italienischen Star-Designer Pietro Frua.


Doch spätestens, als sich die damals 25-jährige Brigitte Bardot für Werbeaufnahmen genüsslich auf der Motorhaube räkelte, war die Floride so französisch wie der Eiffelturm und so mondän wie St. Tropez.


1959 präsentierte Renault die ersten Serienmodelle – Coupé und Cabriolet debütierten zeitgleich – auf dem Pariser Automobilsalon. Die Messe stand Kopf: Das elegante Profil sowie die moderne, aber zeitlose Linienführung und das intelligente Innenraumkonzept des Viersitzers begeisterten das Publikum auf Anhieb. Schon vor dem Produktionsstart ein halbes Jahr später gingen rund 8.000 Bestellungen ein – und dies keineswegs nur aus dem ursprünglich angepeilten US-Markt. Wegen des großen Andrangs wurden statt der geplanten 30 Fahrzeuge pro Tag bald 200 gefertigt.

Die Renault Floride wirkte mit ihrem kurzen Radstand und den langen Karosserie-Überhängen eher leger als dynamisch und machte keinen Hehl aus ihren Absichten: Sie wollte gefallen, den Stil ihrer Zeit verkörpern und Aufsehen erregen.


So extravagant sich die Renault Floride äußerlich gab, so solide zeigte sie sich unter ihrem schicken Blech. Renault hatte clever auf die bewährte Bodengruppe des Bestsellers Dauphine vertraut. Natürlich riss die Floride mit anfänglich 40 PS aus 845 ccm Hubraum keine Bäume aus. Doch der größte Fahrspaß stellte sich ohnehin bei geringem Tempo ein – etwa beim Cruisen über die Promenade des Anglais in Nizza.

Stimmig bis ins Detail verkörperte die Renault Floride den Chic und Charme der französischen Mittelmeer-Avantgarde. Kein Wunder, dass sich neben Kurvenstar Brigitte Bardot viele weitere Showstars für dieses Auto begeisterten, das seine Schönheit so unverhohlen zur Schau trug. Als echter Renault war die Floride allerdings nie ein Spielzeug für die „Reichen und Schönen“, denn durch die einfache Technik blieb sie stets erschwinglich.


Aber was heißt schon „einfach“? 1962 erschien die Floride S mit neuem 956 ccm-Motor, 51 PS und Scheibenbremsen – einzigartig in dieser Fahrzeugklasse. Zugleich betrat die „große Schwester“ Renault Caravelle die Bühne, ebenfalls ausgestattet mit dem Motor des kurz vorher erschienenen Renault R8, der unter anderem eine fünffach gelagerte Kurbelwelle aufwies.


Den Fans der Renault Floride sind bis heute andere Werte wichtiger – eben jene luftige Eleganz, die schnörkellose Schönheit und ihr sonniges Wesen, mit dem sie seit nunmehr 50 Jahren die Welt beglückt.


(Stand 10/2009, Irrtümer vorbehalten)