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Renault Nervastelle: Ein leuchtender Stern am Klassiker-Himmel

Monastella, Vivastella, Primastella - es war ein ganzer Sternenhaufen (lateinisch „stella" = Stern), der in den 30er Jahren die Modellpalette prägte. Mit dem Nervastella präsentierte Renault 1930 ein Luxusmodell, das von der Größe klar unterhalb des majestätischen Reinastella angesiedelt war, aber über ebenso viel Luxus und vor allem die modernere Technik verfügte. Allen voran der neu konstruierte Reihenachtzylinder. Der 4,2-Liter-Motor mobilisierte seine Höchstleistung von 100 PS bei einer für die Zeit ungewöhnlich hohen Drehzahl von 3.300/min. Bei einem Gewicht von 2,3 Tonnen reichte das für 60 km/h Höchstgeschwindigkeit - aber der Nervastella sollte ja auch kein Sportwagen sein.

 

Aus den zweiteiligen Benennungen der Renault Modelle jener Jahre erkannte der fachkundige Käufer zweierlei: Der „Vorname" gab das Segment an - so deutete die königliche Bezeichnung des Reinastella (franz. „reine" = Königin") klar auf die Oberklasse. Der „Nachname" wies auf die Ausstattung hin: Monastella etwa hieß die Luxusversion des Sechszylinders Monasix. Äußerlich waren die „Stella"-Modelle durch einen Stern über dem Renault Logo gekennzeichnet.

 

Renault machte sich dabei geschickt den Drang der 30er Jahre zum Luxus zunutze: Der Besitzer eines Vivasix galt als jemand, der sich keinen Vivastella leisten konnte. Dabei waren die Autos mechanisch identisch, doch Ausstattungsdetails wie chromgefasste Armaturen, zwei statt einem Scheibenwischer, Ablagetaschen in den Türen oder - ein besonderes Statussymbol - Aschenbecher sprachen für die Luxusausführung.

 

So besaß auch der Renault Nervastella fast alles, was sich gut situierte Automobilisten wünschten. Er erschien als viertürige Limousine, Coupé de Ville und ab 1931 auch als fünf- bis siebensitzige Version mit verlängertem Radstand. In jenem Jahr folgte auch die abgespeckte Version mit dem logisch abgeleiteten Namen Nervahuit. Untypisch für Vorkriegsautomobile, aber umso mehr im Geist der Dreißiger war die relativ große Farbauswahl: Blau, Rot, Grün und Schwarz standen als Außenfarben zur Wahl, jeweils abgerundet durch schwarze Felgen mit Farbakzenten im Ton der Karosserie.

 

Wie im kurz zuvor vergestellten Reinastella - das erste Modell ohne die für Renault lange Zeit typische „Alligator"-Front - saß auch beim Nervastella der Kühler jetzt vor dem Motor. Renault nutzte den Kühlergrill als zusätzliches Design-Element. Zunächst strebten die Rippen horizontal auf eine markant zugespitzte vertikale Mittelrippe zu. Im folgenden Jahr verliefen sie senkrecht, und 1932 kam der Nervastella mit einer geglätteten, amerikanisch wirkenden Frontpartie heraus.

 

Wie in jener Ära üblich, nahmen sich auch Karosserie-Künstler des Nervastella an und schneiderten ihm atemberaubende Blechkleider auf Maß. Elegante Stromlinien-Coupés oder ausladende Sport-Limousinen bereicherten die Werks-Palette. Und auch bei Renault selbst bildete der Nervastella die Basis für viele weitere Modelle wie etwa den Nervasport, der 1935 einen Doppelsieg bei der Rallye Monte Carlo landete. 1938 endete schließlich die Bauzeit eines leuchtenden Sterns in der Renault Historie.