Unternehmen

Renault Rambler - Ein Amerikaner in Paris

Der richtige Anlauf zum Sprung über den „großen Teich" brachte schon viele Automobilhersteller ins Grübeln. Und gerade in den 60er Jahren kam viel Bewegung ins weltweite Geschäft. Zum einen wollten die Europäer gerne den verlockenden US-Markt betreten - zumal sie mit ihren kompakten und sparsamen Modellen attraktive Angebote machen konnten. Zum anderen warfen einige amerikanische Konzerne ein Auge auf die Hersteller der „Alten Welt", auch um sich berühmte Markennamen und das hier vorhandene Entwicklungs-Know-how zu sichern.

 

Wie wir heute wissen, blieb die Übernahmewelle aus. Doch damals befürchtete auch Renault Chef Pierre Dreyfus, dass immer mehr europäische Hersteller von den US-Riesen übernommen werden könnten, und suchte nach Antworten. Durch eine Kooperation mit dem viertgrößten US-Hersteller American Motors Company (AMC) glaubte er, den Königsweg gefunden zu haben: Renault erhielt Zugang zum AMC-Vertriebsnetz in den USA, blieb aber gleichzeitig selbständig und erweiterte die Modellpalette um ein paar attraktive Angebote - so weit die Theorie.

 

Erstes äußeres Zeichen dieser Zusammenarbeit sollte der Renault Rambler werden. Es handelte sich um eine viertürige Limousine im klassischen Stufenheckdesign mit breitem Kühlergrill, Doppelscheinwerfern und mächtigen Chrom-Stoßstangen. Für amerikanische Verhältnisse noch kompakt, erschien der Renault Rambler in Europa wie der Inbegriff des Straßenkreuzers. Unter der Haube surrte ein Reihensechszylinder mit 3,2 Liter Hubraum (oder 199 cubic inch) und 128 PS - und auch die Ansicht, ob das viel oder wenig Leistung war, hing von der Perspektive des Betrachters ab.

Die „American Beauty" wurde in einem eigens errichteten Werk im belgischen Halle/Vilvoorde bei Brüssel gebaut. Dabei setzte Renault übrigens nur importierte Bausätze zusammen, die AMC anlieferte. Trotzdem galt der Rambler (zu deutsch „Rumtreiber") als so französisch, dass selbst Staatspräsident Charles de Gaulle eine Sonderversion - mit Hochdach - orderte.

 

Zwischen 1961 bis 1968 (andere Quellen sprechen von 1962 bis 1967) verkaufte Renault die Limousine außer in Frankreich auch in Algerien, Österreich, Belgien, Holland und Luxemburg. Die Bauzeit bleibt nicht die einzige Unbekannte in der Rambler-Historie: Entsprechend den Gepflogenheiten jenseits des Atlantiks erfolgte nahezu jährlich ein intensives Facelift. Selbst Renault Historiker verzweifeln an der Vielzahl der Varianten. Um es noch etwa komplizierter zu gestalten, entwickelte das Renault Designzentrum eine Rambler-Version ausschließlich für den argentinischen Markt: den „IKA Torino" (nicht zu verwechseln mit dem fast gleichnamigen Sportcoupé IKA Torino 380). IKA steht für „Industrias Kaiser Argentina", einen Automobilhersteller, der 1981 in den Besitz von Renault Argentina überging.

 

Dass der Rambler heute als absoluter Exot gilt - den selbst Automobil-Kenner oft nicht zuordnen können - liegt nicht allein an der bescheidenen Stückzahl. Viele Exemplare des ausladenden Viertürers wurden als Taxi eingesetzt und im harten Arbeitsalltag verschlissen.

 

Die Hoffnungen von Renault, im Gegenzug zur Rambler-Fertigung in den USA Fuß zu fassen, erfüllten sich nicht. So wurde das Experiment Ende der 60er Jahre abgebrochen. 1979 folgte ein neuer Anlauf, als Renault zehn Prozent des AMC-Kapitals übernahm und Modelle wie den Renault Fuego oder den Renault 5 Le Car in US-Versionen auflegte. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden...