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Renault und der Rhombus

Im Zeichen der Rhombe: Markenzeichen spiegeln nicht nur die Identität eines Unternehmens wider, sondern auch den aktuellen Zeitgeist. Und so erlebte das Erkennungszeichen von Renault eine bewegte Geschichte. Von seiner Entstehung bis heute hat das Logo mehrere Änderungen im Design durchlaufen.

 

Dabei sollten nach der Unternehmensgründung durch Louis Renault im Jahr 1898 mehr als 20 Jahre ins Land gehen, bis es zur offiziellen Einführung eines Firmensignets kam. Um die Jahrhundertwende war der Begriff Marketing noch nicht erfunden. Doch bereits zu dieser Zeit ließen sich die verschiedenen Fahrzeuge durch bestimmte Charakteristika leicht unterscheiden. So besaßen die Modelle von Renault zumeist eine bugförmige Motorabdeckung ohne Kühlergrill, was ihnen den kecken Namen „Alligatorhaube" einbrachte. Wer genauer hinschaute, erkannte in den Initialen „LR" auf der Radnabe einen Hinweis auf den Firmengründer. Erst als der Wettbewerbsdruck zunahm, trat Renault 1923 mit einem eigenen Logo auf: Ein kreisförmiges, mit Querlamellen versehenes Schild, auf dem der Firmenname prangte, schmückte das Modell Renault 10 CV bei seinem Debüt. Eine raffinierte Idee, denn das runde Emblem diente gleichzeitig auch als Blendgitter für die Hupe.

 

Nur zwei Jahre nach seiner Einführung ging Renault vom runden Symbol zu einer eckigen Ausgestaltung über. Erstmals zierte ein auf der Spitze stehendes Parallelogramm die Haube des neuesten Modells Renault 40 CV - der Rhombus war geboren. Mit der veränderten Form hatte der französische Automobilhersteller den Zeitgeist der 20er Jahre aufgegriffen: Die Stilrichtung des Kubismus lag im Trend. Maler wie Pablo Picasso verblüfften durch ihre abstrakte, stark vereinfachte Darstellung von Gegenständen. Klare, strenge Linien sowie Ecken und Kanten galten als typische Elemente dieser Kunstform. Der Renault 40 CV und das neue Logo spiegelten diesen Stil mit ihren streng geometrischen Formen wider.

In den darauf folgenden Jahrzehnten veränderte sich das Firmensignet immer wieder: Mal thronte ein fünfzackiger Stern auf der Motorhaube und ergänzte das Emblem mit dem Rhombus, mal diente ein rotes Schildwappen als Hintergrund für das markante geometrische Firmensymbol. Schließlich prangte die Rhombe leicht versetzt und mit verlängerten Spitzen auf der Motorhaube - die Phantasie der Designer kannte keine Grenzen und der Wiedererkennungswert bei den Kunden sank. Aus diesem Grund entschloss sich die Unternehmensführung zu Beginn der 60er Jahre, dem Wildwuchs ein Ende zu bereiten. Der damalige Renault-Chef Pierre Dreyfus gab vor, dass das Emblem immer eine schwarze Rhombe auf gelbem Grund darstellen muss. Und er verfügte auch, dass dieses Erkennungszeichen immer dann einzusetzen ist, wenn Renault in der Öffentlichkeit auftritt.

 

1972 erfuhr das Logo erneut eine Anpassung an den Zeitgeist. Der renommierte Künstler Victor Vasarely bescherte dem Rhombus durch seine geschickte Art der Linienführung eine dreidimensionale Anmutung. Die Farben schwarz und gelb blieben erhalten, der Firmenname verschwand, die Spitzen wurden gekappt. So wirkte das neue Logo vereinfacht und modern zugleich. Genau 20 Jahre später erzielten Designer eine tatsächliche Räumlichkeit, indem sie die Ränder des Rhombus verbreiterten und deren silberne Fläche mit Lichteffekten betonten. Die dreidimensionale Wirkung des Firmensignets blieb bis heute bestehen - ebenso der gelbe Hintergrund, vor dem die Rhombe erscheint. Lediglich der Schriftzug erfuhr eine Frischzellenkur: Ohne Cerifen, die an Schreibmaschinenlettern erinnern, wirkt der Markenname seit der letzten Überarbeitung 2004 frischer und moderner.

 

Das Symbol ging mit der Zeit, die Unternehmenswerte blieben bestehen: Bis heute steht das Renault-Emblem für Modernität, Kreativität und Wertigkeit - genau wie die Automobile von Renault.